Musikgefühl fürs Tanzen |
Manchen Menschen fällt es leichter, manche glauben sie lernen es nie: Gefühl für die Musik. Zu fühlen wann ein Takt anfängt, wann ein Musikbogen anfängt, wann eine Solo-Einlage oder das Ende eines Stückes kommt. Musikgefühl ist kein angeborenes Talent das man entweder hat oder nicht, sondern etwas was man lernt, was einige allerdings schon so früh in ihrer Kindheit gelernt haben dass man glaubt sie wären damit geboren worden. Da das Musikgefühl in erster Linie durch das Umfeld in der Kindheit geprägt werden sind die Fähigkeiten sehr breit gestreut. Fürs Tanzen ist der Takt der Musik die Orientierungshilfe des Tanzpaares in der Zeit, und für das gute Aussehen im Paar ist es in erster Linie wichtig dass beide auf den gleichen Takt tanzen, also an der gleichen Stelle die Beats hören auf die sie die Schritte setzen. Vom Prinzip her erfüllt der Takt (oder auch Beat) hier den gleichen Zweck wie ein Trommler auf einem Ruderboot: er sorgt dafür das die Bewegung von allen zum gleichen Zeitpunkt ausgeführt wird. Als Musik zum Tanzen wäre eine einzelne Trommel die den Beat angibt am deutlichsten und auch völlig ausreichend, und Stücke wo nur der Takt gespielt wird gibt es zum Üben, aber auf Dauer wäre das zu eintönig und damit langweilig. Entsprechend gilt es nun diesen Grund-Beat aus der Tanzmusik herauszuhören. Manche Musik ist so eindeutig und gradlinig dass man den Grundbeat fast genauso gut erkennen kann wie bei einem einzelnen Trommler, es gibt aber auch Musik wo der Beat nur sehr schwer zu hören ist, wo verschiedene Tänzer teils auch den Beat an unterschiedlichen Stellen hören. Optimalerweise sollte man nur zu Musik tanzen wo man den Beat klar erkennt. Wie lernt man aber nun den Beat zu erkennen? Auf jeden Fall muss man dazu die Musik hören, und dann versuchen den Beat mitzuklatschen (oder mit dem Fuß mitzuwippen, zu schnippen, oder oder oder. Hauptsache Mitmachen). Wenn man sich nicht sicher ist wo der Beat liegt sollte man sich den Partner (oder jemand anders) schnappen der einem den Beat so lange vorklatscht bis man ihn auch in der Musik hört. Anfangs kann das ziemlich frustig sein, zumal man diese Hilfe wohl auch bei mehreren Stücken in Anspruch nehmen muss bis man anfängt ihn auch in neuen Stücken zu erkennen, aber das sollte man in Kauf nehmen wenn man Tanzen möchte. Je nach Musik ist der Beat natürlich sehr unterschiedlich einfach zu hören. Bei der Musik die man im Allgemeinen im Fitness-Studio für Kurse nimmt ist der Beat zum Beispiel oft nochmal extra unterlegt damit er besonders leicht zu erkennen ist.
Wenn man den Beat hört ist der nächste Lernschritt das mitzählen der Takte. Beim Salsa zählt man üblicherweise Eins, Zwei, Drei, Pause auf der Vier, Fünf, Sechs, Sieben, Pause auf der Acht (das erklärt sich aus dem Rhythmus der Clave, der über zwei Takte gespielt wird und die Grundlage fast aller Latino-Tanzmusik bildet). Mitzählen ist beim Tanzen wichtig, man verliert sonst schnell die Zeit: Für uns Menschen läuft Zeit gefühlt unterschiedlich schnell ab: tanzen wir einen einfachen Grundschritt bei dem wir uns nicht konzentrieren müssen scheint uns das 123 567 langsam, kommt dann aber eine Drehung die wir nicht beherrschen, dann kommt uns das gleiche Tempo mit einem Mal schnell vor und wir werden automatisch deutlich langsamer. Wenn man einem Paar zuschaut dass ohne Musik eine Figur übt und dabei laut zählt, hört man wie sie deutlich langsamer zählen je schwieriger die Figur wird. Man verschafft sich mehr Zeit.
Wenn man zu Musik tanzt und bei komplexen Bewegungen langsamer wird, geht das natürlich schief. Die Musik wartet nicht auf den Tänzer, wird man langsamer ist man entsprechend aus der Musik, der gemeinsame Rhythmus für das Paar stimmt nicht mehr, und wie ein Ruderboot ohne Trommler gerät man durcheinander, es wird uneffektiv, sieht nicht mehr schön aus. Daher muss man im Hinterkopf immer auf den Takt der Musik lauschen, damit man nicht aus dem Ruder läuft, und das lässt sich am besten üben indem man mitzählt - beim Üben auch gerne Laut damit beide Partner wissen wo man sich in der Bewegung befindet, sonst natürlich nur leise. Es gibt immer wieder Leute die behaupten man solle nicht zählen sondern fühlen, die leider übersehen das man fühlen übt indem man zählt. Das Gefühl für den Takt wächst nicht auf Bäumen, sondern man lernt es indem man zählt. Wenn man das Zählen lang genug übt geht es irgendwann in das Gefühl über. Zu erwarten dass man den Takt einfach fühlt ohne ihn zu üben ist ziemlich unrealistisch, solche Vorschläge kommen üblicherweise nur von Leuten die den Takt so früh in ihrer Kindheit gelernt haben dass sie sich nicht mehr erinnern können *wie* sie ihn gelernt haben.
Um den Takt weiter zu verfestigen sollte man die Musik zu der man tanzt auch öfter mal außerhalb des Tanzens anhören, um sich mehr in die Musik reinzuhören, für sich mal mitzuzählen, sicherer in der Musik zu werden. Einfach in der Tanzstunde oder Disco mal nach ein paar Titeln fragen die oft gespielt werden, sie kaufen und anhören.
Wenn das Taktgefühl so weit sicher ist und ohne bewusste Anstrengung funktioniert, gibt es die nächste Stufe in der Musikarbeit: Die Höhen und Tiefen eines Musikstückes erkennen. Erkennen wann eine Pause, eine Solo-Einlage in der Musik ist und an diesen Stellen Posen oder ähnliche Tanz-Highlights einbauen. An ruhigen Stellen ruhige Folgen tanzen, zu fetzigen Stellen schnelle Figuren. Rechtzeitig zu erkennen dass ein Musikstück demnächst zu Ende ist um auf den Punkt genau mit einer Pose zu Enden. Diese Sachen sind in Salsa-Musik leider nur sehr selten gut erkennbar, man kommt kaum drumherum sich die Musikstücke anzuhören bis man ihre Ecken und Kanten kennt um sie entsprechend auszutanzen. Vor allem aber muss man Aufmerksam bleiben für Änderungen in der Musik, wenn man den Takt sicher hat sich nicht darauf ausruhen sondern lauschen was man an der Musik noch interpretieren könnte. Dann fängt Tanzen an so richtig Spaß zu machen! Kommentar oder Meinung schreiben |
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| © 2007 Birgit Marita Jost und Sam Jost, Flensburg. |