Reisebericht eines Wien-Besuches:




1.3.07 ~16:30 Im Flieger HH->Wien

Wir fahren nach Wien! Nun, eigentlich fliegen wir ja sogar bereits. Vor der Abfahrt noch mal gut im Grisou gegessen und damit für die Reise gestärkt sind wir völlig problemlos zum Flughafen Hamburg gefahren, haben uns dort auf der Suche nach einem Dauerparkplatz genauso problemlos verfahren, bis uns jemand auf den richtigen Weg lotste - den wir natürlich auch gerade selber entdeckt hatten;)

Auf dem Parkplatz P8 haben wir ziemlich in der letzten Ecke einen freien Platz für das Auto gefunden, ich bin gespannt wie lange wir es auf der Rückfahrt suchen müssen, oder ob es vielleicht vor Ort sogar eine auf das widerfinden geparkter Autos spezialisierte Detektei gibt.

Die Gesundheitswelle ist inzwischen auch auf den Flughäfen angekommen, dort gibt es neben den obligatorischen Krawatten, Trink- und Einsprüh-Alkoholika und Kreditkartensonderangeboten nun auch frische Säfte, Salate und Massagen. Im Flieger reicht man jetzt Vollkorn-Sandwiches und verzichtet scheinbar auf die oft zu unrecht verpönte Butter, jedenfalls deuten die staubtrockenen belegten Brote darauf hin. Immerhin gibt es das Wasser zum runterspülen gratis dazu.

Ansonsten ist Fliegen ja irgendwie wie Busfahren. Man vertreibt sich die Zeit indem man die schicken Wolken anschaut, auf die lustig in feinen Streifen aufgeteilten Felder hinabsieht, und ab und an mal schaut wie der Geschäftsmann auf dem Sitz vor uns seine Geschäftspost erledigt als wäre er in seinem Büro statt in einem Flieger (ob er in seinem Büro wohl auch Weißwein trinkt während er seine Post durchgeht?).

1.3.07 ~19:30 Hotelzimmer 12 Pension Kaffeemühle

Gelandet, Gepäck auf Anhieb gefunden, Busticket zum Westbahnhof gekauft statt des Schnellzuges der weit weg von unserem Hotel geendet hätte. Bus kam prompt, noch eine dreiviertelstunde Fahrt und wir sind am Westbahnhof, nur zwei Ecken vom Hotel entfernt. Erstmal in die falsche Richtung losmarschiert um vom typischen Bahnhofsvorplatzvolk wegzukommen, dann nach einem U-Bahn-Schild als Orientierungshilfe die richtige Straße gefunden. Eine lange Straße. Kurze Verwirrung mit der Hausnummer, war doch nicht die 26 wie ich in Erinnerung hatte sondern die 45. Noch ein Stück, Zimmer bekommen und bezogen.

Blick aus dem Fenster: ein vegetarischer Thai, was für ein Zufall. Wie es sich gehört eine Bibel in einer Schublade gefunden, irgendwo aufgeschlagen: 'wer leide, der bete. Wems wohl ergeht der singe Psalme'. Weiches Doppelbett mit Besucherritze, wie lange hab ich sowas nicht mehr gesehen. Im Hotelzimmer ist es so warm, man könnte meinen man sei in einem Südseeurlaub.

1.3.07 ~22:30 Hotelzimmer

Nach kurzer Verschnaufpause zogen wir wieder los, das 'Vegetasia' ausprobieren. Schreck beim Schritt vor die Hoteltür: es regnet! Wie kann das sein? Wir sind doch jetzt hier, da kann es doch nicht regnen! Ist bestimmt nur ein Missverständnis, das Wetter denkt wir sitzen eh zum Essen drinnen im trockenen. Recht hat es, auf zum vegetarischen Tailänder, draußen hängt keine Karte, schade, aber drinnen sitzen viele Junge Leute, kann also nicht ganz verkehrt sein.

Die Speisekarte ist sehr interessant, es stehen jede Menge Fleischgerichte drauf, aber es ist gar kein Fleisch sondern nur geschickt gewürztes Tofu. Meine Suche nach einem Gericht ohne Ersatzfleisch hab ich schnell aufgegeben, dennoch war es lecker. Interessant war auch dass der Pflaumenwein warm serviert wurde.

Sehr umsichtig vom 'Zufall': Vorm Essen ging ein Rosenverkäufer um, nur das dieser statt der Blumen einen Strauß Zeitschriften trug, unter anderem den 'Falter', den Birgit schon erfolglos versucht hatte auf dem Flughafen zu bekommen. Nach dem Essen war auch das Wetter-Missverständnis geklärt, es regnete nicht mehr, alles war frisch gewaschen. Sehr schön um noch ein paar Straßen um den Block zu gehen, und dabei ein sehr interessantes Gemisch aus Restaurants und Geschäften vorzufinden.

Schönes Viertel.

2.3.07 ~09:00 Hotelzimmer

Weiche Hotelbetten, riesen Kopfkissen, dünne Bettdecken (angemessen da Zimmer sehr warm), Straßenlärm samt S-Bahn vor der Tür recht gut hörbar, die 'Nachbarn' hatten wohl Besuch und unterhielten sich noch eine halbe Stunde lang deutlich hörbar als wir schon im Bett lagen. Liegt vielleicht an der Verbindungstür das man das Nachbarzimmer so gut hört obwohl die Gäste dort nicht übermäßig laut waren.

2.3.07 ~10:30 Hotelzimmer

'European Breakfast' würde ich das nennen. Weiße Brötchen, Marmelade, Honig, Schmierkäse, Nutella, Geflügelpastete. Ein leichtes Frühstück damit auch Mittags wieder Hunger hat.

Immerhin war es gar kein Problem heißes Wasser zum Trinken zu bekommen.

2.3.07 ~15:00 Cafe Merkur 8. Bezirk

Eine Stadt kennt man erst dann, wenn einem die Füße weh tun. Das eindrücklichste Bild und Gefühl zu einer Stadt kommt doch immer wenn man sie sich erläuft. Einfach im Zick Zack durch die Gassen, wo es einen so hinzieht.

Das zweite Frühstück haben wir aus einem 'Billa' auf dem Weg, eingekehrt sind wir für etwas mehr essen im Cafe Merkur im Uni-Viertel, was man sofort an den sehr zivilen Preisen merkt (Die Toiletten waren auch sehr studentisch). Dazwischen haufenweise schöne alte Häuser, so viele dass sie nach kurzer Zeit kaum noch auffallen, mehr lustige Geschäfte, dutzende von Leuten die uns einen Mozart-Besuch ans Herz legen und auch sofort verkaufen wollen, dem Eistraum vorm Rathaus, einem für den Winter eingepackten Park und und und.

Und das alles natürlich bei schönstem Sonnenschein.

2.3.07 ~17:30 Hotelzimmer

Füße sind Platt, Kopf dröhnt von all der frischen Luft, die Schultern maulen über die Tasche die ich trug. Der erste Tag Stadtrundgang war also ein Erfolg.

Jetzt erstmal Füße hoch und entspannen.

3.3.07 ~0:30 Hotelzimmer

Das Abendprogramm: Ein Forums-Treff vom Shaumbra-Forum. Utmar hat sich freundlicherweise bereit erklärt nicht nur das wir uns alle bei ihr treffen, sondern uns auch noch vortrefflich bekocht und bewirtet, und wir haben ein paar Leute aus dem Forum mal persönlich kennengelernt, was doch immer eine ganz neue und interessante Ansicht ist. Nebenher ein Austausch von (Lebens-)Geschichten, Meinungen, gelerntem und Ansichten, und wunderbar bodenständiges Denken für einen doch an sich recht esoterischen Haufen. Mir scheint es gibt zwei Arten von esoterischen Leuten: den abgehobenen Kopf und Verstand-Leuten, die über die Wortwahl zur Erleuchtung reden und diskutieren, und die Gruppe von der wir hier welche getroffen haben, die einfach das Leben und ihre Aufgaben akzeptieren ohne sie Verbal analysieren zu müssen.

Sehr angenehm.

Und jetzt wissen wir auch wo der Naschmarkt ist, das es lohnt ins Floridita zu gucken und das die U-Bahn bis ca. 1 Uhr fährt.

3.3.7 Mittags im Kunst-Cafe am Hundertwasserhaus

Auch in Wien finden sich die unterschiedlichsten Bettler: Frauen mit kleinen Kindern, ein Junge der, eine Hand bittend offen mit der anderen auf sein geschlossenes Auge zeigt, unterschiedliche Menschen denen ein Arm, ein Bein fehlt. Der Highlight war eine Junge Dame in der U-Bahn, die sich schwer auf ihre Krücke stützte und um Geld für sich und ihre kleinen Kinder bettelte, geschickt von Sitz zu Sitz hangelnd. Doch an dieser Bettlerin stimmte das Gefühl nicht. Sie strahlte im Gegensatz zu den anderen keine Verzweiflung aus. Sie wirkte nicht wie eine Bettlerin, sie fühlte sich eher wie eine Studentin an. Wenn ich raten sollte würde ich sagen eine Schauspiel-Schülerin die eine Rolle als Bettlerin übt, sich aber noch nicht in diese Rolle einfühlen kann, sich nicht mit der Bettlerin identifiziert. Sehr interessant!

Das Hundertwasserhaus hätte ich nicht für so interessant gehalten. Gar nicht so sehr wegen der Architektur, sondern wegen dem Hintergrund dazu. Gaudí hat seine Gebäude zwar viel mehr der Natur nachempfunden, aber Hundertwasser hat die Natur und vor allem den Menschen in den Bau mit einbezogen. Hundertwasser war kein Architekt, sondern Künstler und vor allem Mensch, der ein lebenswertes Umfeld in einem sozialen Wohnungsbau geschaffen hat. Von Architekten belächelt und veralbert weil er den Menschen viel stärker einbezogen hat, und wohl auch beneidet weil er damit etwas besonderes geschaffen hat was den meisten Architekten so nicht gelang.

Das Kunst-Cafe am Hundertwasserhaus, und vor allem sein Wirt, sind etwas ganz besonderes, was einen Besuch wirklich wert ist. Der Wirt ist ein begeisterter Fan von der Idee von Hundertwasser und erzählt über das Haus, seine Bewohner, Geschichten über Hundertwasser, und von seinen Gästen im Cafe. Ereignisse, lebendige Geschichte, sehr ansprechend gestaltet. Und wir hatten hier unsere erste Sachertorte in Wien.

4.3.07 ~0:00 Hotelzimmer

Auf dem Rückweg vom Hundertwasserhaus haben wir uns noch eine Pizza in einem riesigen Italiener geleistet, haben uns dann doch statt eines Kinobesuches eine kurze Rundfahrt mit der S1 um den Ring gegönnt.

Auf der folgenden Suche nach dem Floridita sind wir zufällig über die Shopping-Fußgängerzone gestolpert, die aber im Gegensatz zu den kleinen individuellen Läden in "unserem" 7. Bezirk langweilig international ist: H&M, Zara, Mango, es reihen sich die gleichen großen Ketten wie in der großen Stadt aneinander.

Kurzer Rückzug ins Hotel, ein Stündchen schlummern, dann trotz stürmischen Wetters noch einmal aufgerafft und ins Floridita gefahren. Mäntel an der Garderobe abgegeben, dort nebenher zeigt grad eine junge Dame eine Rueda.

Einen Raum weiter eine riesige Tanzfläche und ein langer angrenzender Tresen, die Tänzer sehen aber allesamt eher nach Anfänger aus. Ein Lied getanzt, gab dann ein Pärchen eine Kurzeinführung in New York Style Salsa, die wir uns nur angeschaut haben, es zieht uns noch nicht dahin "On 2" zu tanzen.

Erstaunlich gut gefüllt war die Fläche mit lerneifrigen Leuten. Danach haben wir noch ein paar Lieder getanzt, uns dann im Vorraum abgekühlt und beim rausgehen über die irre lange Schlange vor dem Laden gewundert. Wie voll wird das Floritida erst sein wenn die auch alle da drin sind, da war doch so schon kaum mehr Platz zum Tanzen.

Ein sehr netter Salsa-Schuppen.

4.3.7 22:00 Hotelzimmer

Heute waren wir bei unserem eigentlichen Grund für den Wien-Besuch, dem Schnupperseminar be Institut Namasté, einem Einfühl-Tag für Tantra. Tantra erweckt ja immer den Eindruck von Sex, hier ging es aber mehr um das bewusste Atmen, um verschiedene Gruppenübungen um anderen Menschen offen zu begegnen und aufeinander einzulassen.

Das einzige was von außen wohl "unanständig" wirkt war geräuschvolles Atmen mit gleichzeitiger Beckenbewegung zur Unterstützung.

Solche "Gruppenspiele" stehen und fallen ja immer mit den Menschen, und die Leute von Namaste waren einfach super. Bei den Teilnehmern waren etliche wo ich sofort einen Draht zu hatte, viele Neutrale und ein paar die mir intuitiv unangenehm waren oder komisch vorkamen. Diese letzteren Leute sind mir auch immer wieder bei den Übungen begegnet, aber viel lernen konnte ich da nicht draus (man sagt ja grade die unangenehmen Leute spiegeln oft wichtige Aspekte der eigenen Persönlichkeit, aber die mir unangenehmste Person hat einfach nur mit jeder Geste, Handlung, Wort bestätigt dass ich nichts mit ihr anfangen kann und auch nicht will, also akzeptier ich das einfach mal). In den anderen Leuten ohne großen Draht konnte ich trotzdem etwas göttliches sehen, konnte auch meine eigenen Unsicherheiten in ihnen wiederfinden.

Alles in allem ein sehr schöner, energiereicher Tag.

5.3.7 19:00 Backbone irish pub

Nach dem Seminar gestern sind wir einfach nur noch ins Bett gefallen.

Dafür war ich relativ früh wach und hab haufenweise Blödsinn geträumt, den ich zum Glück kurz nach dem Aufwachen wieder vergessen habe.

Heute sind wir im 7. Bezirk rund um unser Hotel ein wenige shoppen gegangen, doch das Wetter war viel zu gut, bei der Sonne zog es uns einfach nicht in die Läden. Statt dessen sind wir dann nach einem Mittagessen im Vegetasia zum Schloß Schönbrunn gefahren und haben dort das schöne Wetter genossen, sind spazieren gegangen, haben Vögel, Eichhörnchen, einen Specht, komische Enten gesehen, und vor allem die Sonne genossen.

Anschliessend ein wenig auf dem Hotelzimmer von den Anstrengungen erholt, unser Zimmer bezahlt damit wir uns morgen früh nicht damit aufhalten müssen, und sind dann losgewandert und haben uns spontan in einem irish pub niedergelassen, der super wäre wenn die Musik nicht so laut wäre. Als Entschädigung gibt’s WLAN, hab mal meine E-Mails abgerufen und jetzt sucht Birgit grad ein wenig über den Shoud am Samstag. Lange haben wir es hier aber nicht ausgehalten.

7.3.07 ~17:00 zu Hause (Rückreise)

Die Rückreise war genauso unproblematisch wie die Hinreise. Früh um fünf am Morgen aufgestanden, geduscht, den Abends schon gepackten Koffer zugemacht und das Zimmer geräumt haben wir gleich in aller Ruhe zugesehen wie unsere S-Bahn vor unserer Nase wegfuhr, was uns nicht weiter störte da wir früh dran waren und wir einfach die wenige Minuten spätere nahmen. Angekommen am Westbahnhof sahen wir dann wieder in aller Gemütsruhe unseren Bus fahren, was uns ebenso wenig störte da wir rein zeitlich ohnehin auf den dreißig Minuten späteren Bus eingestellt waren und nur so früh waren um noch kurz bei einem Bäcker ein Mini-Frühstück zu kaufen.

Den nächsten Bus genommen, gemütlich zum Flughafen gefahren, dabei den Sonnenaufgang bewundert, eingecheckt, diesmal wollte die Sicherheitskontrolle doch mal mein Taschenstativ sehen weil sie auf dem Röntgenbild einfach nichts mit der Form anfangen konnten, einen weiteren Ereignislosen Flug mit an Buttermangel leidenden Mehrkornbrötchen verbracht, in Hamburg schnell zu unserem Gepäck gekommen, den Bus zum Parkplatz und überraschenderweise sogar das Auto auf Anhieb gefunden sind wir dann noch kurz zum Dammtor gefahren um beim Inder Balutschi Mittag zu essen - wenn man schon mal in Hamburg ist kann man das ja ausnutzen. Dabei mal wieder gelernt dass es in Hamburg sehr viele Autos und sehr kreative Einparker gibt, dafür freie Parkplätze eher Mangelware sind.

Die Rückfahrt nach Flensburg war auch ohne weitere Vorkommnisse, ein Buch mit Liedtexten wär nett gewesen: wenn schon nichts im Radio läuft könnte man dann wenigstens selber was singen.

Und so ging ein schönes Wien-Wochenende zu Ende, und das mitten in der Woche so dass wir schon in wenigen Tagen wieder Wochenende haben.


Veröffentlicht am 07.03.2007 19:00 von sam  | » Mr. Wong | » yigg |  del.icio.us

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© 2007 Birgit Marita Jost und Sam Jost, Flensburg.